Massenfesselung
Kann man von 1000 Franken pro Monat leben? Vielleicht wenn man noch bei den Eltern wohnt und auf Besuche im Kino und im Restaurant verzichtet, und so lange man nicht krank wird. Aber so richtig frei würde man sich unter diesen finanziell beengten Verhältnissen wohl nicht fühlen.
Fühlte man sich freier, wenn der Lohn wenigsten schon mal auf 1500 Franken steigt? Wahrscheinlich, zumindest eine kurze Zeit lang.
Doch wie frei sind eigentlich die Menschen, die für umgerechnet etwa 10 Franken pro Stunde zu einer mühseligen Putzarbeit verpflichten lassen? Und wie vergleicht sich ihre Freiheit mit der - sagen wir mal - eines NZZ-Redaktors der alles in allem gut das Fünffache verdienen dürfte?
Das sind lauter Fragen, die man sich an der Falkenstrasse offenbar nicht stellt. Denn dort werden die Löhne (der anderen) nicht daran gemessen, ob man davon anständig leben kann, sondern ob sie "markträumend" sind. Das, so weiss die NZZ, sei der gesetzliche Mindestlohn von 7 Euro, der diese Woche für Deutschlands Gebäudereiniger/innen eingeführt worden ist, "längst nicht".
Genaueres erfahren wir nicht, doch wir dürfen annehmen, dass ein Lohn von etwa 5 Euro pro Stunde das Kriterium des Markträumens erfüllt. Dieser Begriff meint den Preis, bei dem sich Angebot und Nachfrage gerade etwa ausgleichen. Das Lehrbuch, in dem solche Weisheiten stehen, ist realistischer als deren Autoren je gedacht haben. In der Tat könnte man sich vorstellen, dass ein Hungerlohn von 5 Euro genau so viele Gebäudereiniger am Leben oder bei Kräften hält, wie der deutsche Markt zurzeit gerade braucht. Zum würde so die "strukturelle Arbeitslosigkeit" bekämpft. Wer wegen Tod oder Krankheit ausfällt, fällt auch aus der Arbeitslosenstatistik.
Ist also ein lebenserhaltender Mindestlohn vielleicht doch eine gute Sache? Nein, denn was ist ein Leben ohne Freiheit? "Statt nach Merkels Slogan mehr Freiheit zu wagen", so klagt die NZZ, "werden den Arbeitnehmern noch mehr Fesseln angelegt."
Glaubt man der NZZ, so droht Deutschland eine flächendeckende Massenfesselung: "Die tariflichen Mindestlöhne gelten dann für alle 850'000 Arbeitnehmer im Lande, die Konkurrenz ausländischer Betriebe wird zur Freude der Gewerkschaft und des Branchenverbands ausgeschaltet. Doch das ist längst nicht alles. Bereits buhlen Gewerkschaften und Verbände der boomenden Zeitarbeitsbranche um denselben Schutz."
Wo käme man da hin, wenn jeder vom Lohn auch noch leben wollte?
Fühlte man sich freier, wenn der Lohn wenigsten schon mal auf 1500 Franken steigt? Wahrscheinlich, zumindest eine kurze Zeit lang.
Doch wie frei sind eigentlich die Menschen, die für umgerechnet etwa 10 Franken pro Stunde zu einer mühseligen Putzarbeit verpflichten lassen? Und wie vergleicht sich ihre Freiheit mit der - sagen wir mal - eines NZZ-Redaktors der alles in allem gut das Fünffache verdienen dürfte?
Das sind lauter Fragen, die man sich an der Falkenstrasse offenbar nicht stellt. Denn dort werden die Löhne (der anderen) nicht daran gemessen, ob man davon anständig leben kann, sondern ob sie "markträumend" sind. Das, so weiss die NZZ, sei der gesetzliche Mindestlohn von 7 Euro, der diese Woche für Deutschlands Gebäudereiniger/innen eingeführt worden ist, "längst nicht".
Genaueres erfahren wir nicht, doch wir dürfen annehmen, dass ein Lohn von etwa 5 Euro pro Stunde das Kriterium des Markträumens erfüllt. Dieser Begriff meint den Preis, bei dem sich Angebot und Nachfrage gerade etwa ausgleichen. Das Lehrbuch, in dem solche Weisheiten stehen, ist realistischer als deren Autoren je gedacht haben. In der Tat könnte man sich vorstellen, dass ein Hungerlohn von 5 Euro genau so viele Gebäudereiniger am Leben oder bei Kräften hält, wie der deutsche Markt zurzeit gerade braucht. Zum würde so die "strukturelle Arbeitslosigkeit" bekämpft. Wer wegen Tod oder Krankheit ausfällt, fällt auch aus der Arbeitslosenstatistik.
Ist also ein lebenserhaltender Mindestlohn vielleicht doch eine gute Sache? Nein, denn was ist ein Leben ohne Freiheit? "Statt nach Merkels Slogan mehr Freiheit zu wagen", so klagt die NZZ, "werden den Arbeitnehmern noch mehr Fesseln angelegt."
Glaubt man der NZZ, so droht Deutschland eine flächendeckende Massenfesselung: "Die tariflichen Mindestlöhne gelten dann für alle 850'000 Arbeitnehmer im Lande, die Konkurrenz ausländischer Betriebe wird zur Freude der Gewerkschaft und des Branchenverbands ausgeschaltet. Doch das ist längst nicht alles. Bereits buhlen Gewerkschaften und Verbände der boomenden Zeitarbeitsbranche um denselben Schutz."
Wo käme man da hin, wenn jeder vom Lohn auch noch leben wollte?
Werner_Vontobel - 26. Aug, 20:00

